Barock Ensemble Colcanto 2018-03-21T19:37:41+00:00

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Barock Ensemble Colcanto

Einleitung zum CD

Geistliche Konzerte und Kantaten für Bass, Violine und Basso continuo sind das Thema dieser Einspielung. Als Geistliches Konzert bezeichnet man einen Großteil der kürzeren und oft auch kleiner besetzten geistlichen Musikwerke, die im 17. und 18. Jahrhundert ihre Blütezeit erlebten. Diese sowie die größere Form der Kantate befanden sich damals in einer Entstehungsphase, bei der neue Instrumente in ihrer Klanglichkeit und in unterschiedlichen Besetzungen mit Sängern oder Chor, zugeschnitten auf individuelle Aufführungsräume wie Kirchen, Oratorien und Kapellen ausprobiert werden konnten. Die stilistischen und formalen Wurzeln des Geistlichen Konzerts liegen einerseits im einstimmigen, rhythmisch freien rezitativischen aber auch virtuosen Sologesang (Monodie), andererseits in polyphonen Chorwerken wie der Motette, die in den strengeren Formen der Kompositionstechnik geschrieben waren. Kantaten, die nur für eine Vokalstimme und Generalbass sowie gelegentlich auch mit wenigen Melodieinstrumenten bestimmt sind, bezeichnet man als Kammerkantaten.

Geistliche Konzerte und Kantaten sind Neue Musik. Das Neue zeigt sich einerseits in der teilweise sehr virtuosen Verwendung der Stimme und auch der Instrumente, wie hier der Violine. Letztere entwickelte sich ab dem späten 16. Jahrhundert zu einem der bedeutendsten Instrumente am europäischen Kontinent und blieb es aufgrund ihrer vielfältigen Einsatzmöglichkeiten als Orchester-, Kammer- und Soloinstrument bis heute. Dabei spielt die Entwicklung der Violintechnik, das Ausloten der klanglichen Möglichkeiten, gesteigerte Fingerfertigkeit, immer höheres Lagenspiel, unterschiedliche Bogentechniken sowie auch die individuelle Stimmbarkeit der Saiten (Skordatur), wie sie etwa Biber angewendet hat, eine große Rolle.

Kammerkantaten sind musizierfreudige und die Interpreten herausfordernde Musik. Für Sänger und Instrumentalisten, wie auch für den Continuospieler sind sie einerseits wunderbare Kammermusik, bei der sich einzelne, oft wenig aussagekräftig Teile zu einem sinnfälligen Ganzen fügen. Andererseits ist jeder auch solistisch gefordert, da jede Stimme einzeln besetzt wird. Die technischen Anforderungen sind für die Violine bei Telemann, Tunder, Graupner und Mayr eher moderat. Etwas anspruchsvollere Passagen finden sich bei Pachelbel. Bei Biber fällt sofort auf, dass hier ein virtuoser Geiger für sich selbst und seine überragende Technik geschrieben hat.

Kantaten sind religiöses Bekenntnis. Gerade auch in der ständigen Konfrontation von Protestanten und Katholiken innerhalb des Heiligen Römischen Reiches gab es sowohl für die geistlichen Herren wie auch für die weltlichen Herrscher einen enormen Bedarf, ihrer Glaubenswelt durch die Musik Ausdruck zu verleihen und sich darin zu bestätigen.

Kantaten sind Paradebeispiele zur praktischen Anwendung barocker Rhetorik. So entstand im deutschsprachigen Raum zahlreiche Literatur zur Rhetorik in der Musik, von Joachim Burmeisters Musica Poetica (1606) über Christoph Bernhard und Wolfgang Caspar Printz (1696) bis hin zu Johann Matthesons Der vollkommene Capellmeister (1739). Da in den theoretischen Werken kaum praktische Beispiele angeführt sind, können wir angewandte Rhetorik überwiegend nur aus den Kompositionen selbst herauslesen und unser Wissen daran schulen. Bibelkenntnis ist dazu eine notwendige Voraussetzung, die Texte innerhalb ihres Kontextes verstehen zu können. Die vertonten Texte stehen wiederum in engem Bezug zu den Skulpturen, Bildern und Symbolen in den Kirchen und Kapellen. So ergibt sich in den Kompositionen zu bereits existenten Texten – wie in den beiden Nisi-Dominus-Vertonungen – bzw. auch von Neudichtungen zu biblischen Themen – wie diejenigen von Erdmann Neumeister – mit der Aufführung in den ikonographisch entsprechend ausgestalteten Kirchen und Kapellen eine Art Gesamtkunstwerk, deren Faszination bis heute keinen Abbruch erlitten hat. Erst durch die Wiederentdeckung der in die Tausende gehenden Kompositionen wird man langsam gewahr, welch wertvolles Kulturgut teilweise noch immer in den Archiven schlummert.

CD bei Spektral Records

Reinhard Mayr

Reinhard Mayr wurde in Grieskirchen in Oberösterreich geboren. Seine Ausbildung zum Sänger begann er beim Bassisten Franz Kalchmair, setzte sie am Anton Bruckner Konservatorium in Linz fort, wechselte an die Musikakademie der Stadt Basel zu Kurt Widmer und schließlich zu Robert Holl an die Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien.

Bereits unmittelbar nach seinem Studium in Basel begab sich der Bassist ins feste Opernengagement, zuerst an der Volksoper Wien, debütierte kurz darauf an der Wiener Staatsoper und zählt seit 2001 zum Ensemble des Opernhauses Zürich. So kam er in all den Jahren in den Genuss der Zusammenarbeit mit vielen bedeutenden Dirigenten wie Nikolaus Harnoncourt, Christoph von Dohnányi, Franz Welser-Möst, Sir John Elliot Gardiner und Fabio Luisi.

Inspiriert auch durch seine Lehrer Kurt Widmer und Robert Holl hat Reinhard Mayr eine große Leidenschaft für den Konzert- und Liedgesang entwickelt, der er seit jeher neben der Oper nachgeht. Vor allem die geistliche Musik und das Liedschaffen Franz Schuberts gehören zu den besonderen Vorlieben des Bassisten.

Konzerte und Oratorien sind es auch, die ihn an namhafte Orte, wie den Wiener Musikverein, die Royal Albert Hall, das Concertgebouw Amsterdam, die Konzerthäuser Wien und Berlin, oder die Severance Hall in Cleveland führen. Mit dem Ensemble COLCANTO musiziert Reinhard Mayr seit nunmehr über zehn Jahren regelmäßig.

Christiane Gagelmann

Christiane Gagelmann, geboren in Geislingen/Steige, studierte Orchestermusik an den Musikhochschulen in Lübeck und Freiburg, sowie am Mozarteum Salzburg. Es folgte eine Festanstellung beim Folkwang Kammerorchester Essen. Die Faszination für die besonderen musikalischen Möglichkeiten der Barockvioline veranlassten sie zu einem Studium an der Universität der Künste Berlin bei Irmgard Huntgeburth. Dieses schloß sie im Solistenexamen mit »sehr gut« ab. Wichtige Anregungen erhielt sie darüber hinaus von Hiro Kurosaki, Monica Huggett, Margaret Faultless, Andrew Manze und Jordi Savall. Im Jahr 2001 wurde sie zum European Union Baroque Orchestra eingeladen, wo sie unter Andrew Manze, Alfredo Bernadini, Roy Goodman und Edward Higginbottom spielte. Freiberuflich, oft als Konzertmeisterin oder Solistin musizierte sie u. a. beim Dresdner Barockorchester, der Musical and Amicable Society Birmingham, beim Göttinger Barockorchester und dem Chemnitzer Barockorchester, mit dem sie als Solistin unter der Leitung von Peter Schreier auch bei der Schubertiade Schwarzenberg zu Gast war.

Barbara Julia Reiter

Barbara Julia Reiter, geboren in Raab (Österreich), studierte Violoncello an der Anton- Bruckner Universität Linz. Sie schloss sowohl Konzertfach als auch Instrumentalpädagogik summa cum laude ab und spezialisierte sich später auf die Alte Musik.

Ihre weiteren Studien führten sie dann nach Oberlin, USA, wo sie am Conservatory of Music bei Catharina Meints ihr Barockcellostudium mit dem Artist Diploma abschloss. Im Jahr 2001 wurde sie eingeladen, im European Union Baroque Orchestra unter der Leitung von Roy Goodman und Andrew Manze mitzuspielen.

Ihre rege Konzerttätigkeit führt sie in viele Länder weltweit und zur Mitwirkung in verschiedenen Orchestern und Ensembles, wie z. B. Dresdner Barockorchester, Lauttencompagney Berlin, Musical and Amicable Society Birmingham, L’Orfeo, Apollo’s Fire (Cleveland), La Stravaganza Köln, Wiener Akademie, Sweelinck Players London, Main Barockorchester Frankfurt und vielen anderen. Seit 2009 lebt Barbara Julia Reiter in Den Haag.

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Bernhard Prammer

Bernhard Prammer absolvierte seine Studien in Orgel und Cembalo in Wien, Linz und Den Haag. Er ist Leiter und Gründer des Barockensembles COLCANTO und Gast in verschiedenen Ensembles: Ars Antiqua Austria, Musica Antiqua Salzburg, Barockorchester L’Arpa festante München u. a.

Als Lehrer für Orgel und Cembalo unterrichtet er am oberösterreichischen Landesmusikschulwerk. Außerdem ist er als Referent bei Fortbildungsseminaren für Musikpädagogen tätig.

Bernhard Prammer bezeichnet sich selbst als »krea(k)tiven Kulturarbeiter« so nimmt neben seiner künstlerischen Tätigkeit die Organisation vieler Kulturprojekte und Konzertreihen einen großen Platz in seiner Arbeit ein.

Seit Herbst 2007 ist er Organist an der Brucknerorgel im Alten Dom zu Linz und initiierte dort das Linzer Brucknermuseum »Die Brucknerstiege«. Im Zuge seiner kulturellen Arbeit wurde ihm 2013 die Landeskulturmedaille von Oberösterreich verliehen.